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Semester: WiSe 2025/26
Die Mordserie des sog. Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) zählt zu den erschreckendsten Terroranschlägen in der jüngeren deutschen Geschichte. Die bisherige Diskussion und Aufarbeitung dieser Mordserie konzentrieren sich auf strafrechtliche, politische sowie zeitgeschichtliche Aspekte, etwa im Zusammenhang von Rechtsextremismus und Rassismus. Ihr Entstehungskontext konnte bislang nicht vollständig aufgeklärt werden, auch nach dem Abschluss des Strafverfahrens und von 15 Untersuchungsausschüssen bleiben viele Fragen offen.
Im Zentrum des Forschungsprojekts steht die Aufarbeitung des Mordes an Süleyman Tasköprü am 27. Juni 2001 in Hamburg. Dazu sollen alle relevanten Quellenbestände - insbesondere der Polizei und des Landesamtes für Verfassungsschutz - ausgewertet werden, das stadt- und zeitgeschichtliche Umfeld analysiert und die an den Ermittlungen beteiligten Personen befragt werden. Das Projekt konzentriert sich auf eine Untersuchung der systemischen Aspekte, die zum Versagen bei der Aufklärung und Strafverfolgung des Mordfalls führten. Besonderes Augenmerk gilt den Wechselwirkungen zwischen behördlichem Handeln und den spezifischen gesellschaftlichen und sicherheitspolitischen Bedingungen in Hamburg zur Tatzeit. Die interdisziplinär angelegte Untersuchung soll beispielsweise Aufschluss darüber geben, wie das öffentliche Meinungsklima und sicherheitspolitische Programmatiken die Ermittlungsarbeit beeinflussten, warum alternative Ermittlungsansätze nicht weiterverfolgt wurden. Sie wird von der Hamburgischen Bürgerschaft und den beteiligten Behörden unterstützt, den Forschenden wurde vollumfängliche Akteneinsicht in die Unterlagen von Polizei, Staatsschutz und Justiz zugesagt.